Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.

Amiel sagte, eine Landschaft sein ein seelischer Zustand, aber dieser Satz ist wie das dürftige Glück eines mittelmäßigen Träumers. Sobald die Landschaft Landschaft ist, hört sie auf, ein seelischer Zustand zu sein. Objektivieren heißt erschaffen, niemand sagt, ein fertiges Gedicht sei ein Zustand, in welchem man daran denke, es zu verfertigen. Sehen heißt vielleicht träumen, wenn wir es aber sehen statt träumen nennen so deshalb, weil wir zwischen sehen und träumen unterscheiden. Wozu nützen im übrigen diese Spekulationen verbaler Psychologie? Unabhängig von mir wächst das Gras, regnet es auf das wachsende Gras, und die Sonne vergoldet die Wiese, die gewachsen ist oder noch wachsen wird; die Berge bestehen seit undenklichen Zeiten und der Wind weht auf die gleiche Wiesen wie ihn Homer, auch wenn es ihn nie gab, vernommen hat. Richtiger wäre zu sagen, ein seelischer Zustand wäre eine Landschaft; dieser Satz hätte den Vorteil, nicht die Lüge einer Theorie zu enthalten, sondern nur die Wahrheit einer Metapher.

aus: Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, Ammamm Verlag.
Danke.

allgaeuer winter 5975

2 Comments

  1. Martin 14. Februar 2008

    Das ist doch mal ein Zustand!
    Chapeau!

    Wenn ich mir noch eine kleine Anmerkung erlauben darf: die unten abschließende Schneefläche ist ein kritischer Punkt.
    Vielleicht sollte sie noch einen Tick mehr Zeichnung aufweisen. Das Bild braucht ein sichtbares Fundament unten.
    Aber es ver-webt sich ja so vieles und auf meinem Bürobildschirm sieht alles ganz anders aus?

    Wirklich ein toller Zustand!

  2. Beierlein 16. Februar 2008

    Ja, das Weiß ist mir abgesoffen – ich hatte zwar die Blende ganz zu, aber naja – Schnee und Sonne sind so eine Kombination.

    Als unteren Rand dachte ich mir die Baumreihe, mit den Spaziergängern als „Bonmont“ unterhalb des Randes – wobei an diesem Tag natürlich alles von Leuten bedeckt war – für Allgäuer Verhältnisse.

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