Because the Night

Patti Smith und Bruce Springsteen Рdas war ein Songwriterduo. Der Boss und die Vogelscheuche (Und das ist nur beschreibend, nicht wertend РIch liebe Patti Smith). Und ihr bester Song? Because the night! Und den h̦re ich gerade.

Nicht ganz freiwillig. Genaugenommen geht es mir gerade tierisch auf den Senkel, das ich um diese Uhrzeit wach bin, hatte ich doch heute immerhin eine Prüfung (Social Software / Web 2.0) und ’nen langen, nervigen Arbeitstag. OK, die Prüfung lief ganz gut, da ich ihm etwas übers Bloggen und über den Semesterblog sagen konnte (auch wenn mir ums verrecken die Textgattung „Kritik“ – oder „Kritikitik“, wie’s die Schubidu schreiben würde – nicht eingefallen ist) und Arbeit ist halt nun mal Arbeit, aber der Brüller kam im wahrsten Sinne des Wortes heute nacht um 2. 27 Uhr.

Und das war kein Brüller von der Art, in dem man in einem größtenteils FSK12 – Blog nicht unbedingt nicht berichten könnte. (Hey, doppelte Negation und ein Konjunktiv! Fachblatt für Fremdwortverwechsler lesen hilft!) Die Schwüle der Sommernacht liegt in gänzlich unerotischer Weise über Darmstadt wie eine benutze Windel über einem Betrunkenen, und das angesagte Gewitter läßt sich Zeit, erstmal den Luftdruck hochzuschieben, mit dem genüßlich-trägen Sadismus eines Zollbeamten bei der Kontrolle.

Die ersten Tropfen fallen , zischt es noch ein bisschen auf dem Boden. Ein Blitz zerreißt die Nacht, das Gewitter geht los. Doch in der Spanne zwischen Blitz und Donner zerreißt noch etwas ganz anderes die Nacht: Ein Schrei wie ein Schwein beim Schächten, direkt vor meinem Fenster. Von dem Möglichkeiten, geweckt zu werden ist das eher auf der unangenhemen Seite.

Ich stehe Senkrecht im Bett, schon halb gefasst auf eine Pferdekopf auf meinem Kissen und / oder einer abgesägten Hühnerkralle auf meiner Kamera, als das Licht im Nachbarhaus angeht.

Die ersten Drei Gedanken waren, in dieser Reihenfolge: Da wird jemand abgestochen. – Bela, ruf die Poliziei. – Bela, wenn du wieder deinen eigenen Namen sagst , wenn du mit dir selbst sprichst, brauchst du erst ’nen Kaffee und vielleicht ’ne andere Art der Hilfe, als die Poliziei üblicherweise anbietet, aber das sollte ja nichts machen, erst den Kaffee, dann alles weitere und verbrenn dir nicht wieder die Finger an der Herdplatte, und zieh dir um Himmels willen was an, wenn die Espressomaschine wieder nicht richtig zugeschraubt ist und der Wasserdampf falsch rausgeschossen kommt, gibt es noch einen Schrei, und zwar eine Oktave höher, als man eigentlich vermuten sollte, als mach dir endlich den Kaffee und dann schaust du was paassiert ist, aber der Schrei wird nicht vergessen, nur vertagt, also pass auf!

Lange Rede, kurzer Sinn, meine Nachbarn haben Besuch, der Besuch hat ein Kind, das Kind des Besuchs hat das Zimmer, dessen Fenster meinem gegenüberliegt und zudem Angst vor Gewittern.

Und jetzt sitze ich zu nachschlafener Zeit hier, trinke eine Espresso (einen guten! Nicht gesponsorte Empfehlung!) und kucke den Blitzen vor dem Fenster zu. OK, Keith Jarrett ist mit seinem Konzert in der Scala auch dabei, aber er sagt recht wenig. Und während das Adrenalin im Blut durch Koffein ersetzt wird, fällt mir auf, daß ich
a) seltsame Gewohnheiten habe, jeder andere würde weiterschlafen
b) das Singledasein seine Reize hat, aber ich
c) wieder was dagegen unternehemen muß und
d) ich nur zwei Beschreibungen für „Blitz“ kenne, die plastisch sind und ohne das eigentliche Wort Blitz auskommen.

– Gott schießt ein Photo

– Zeus bestraft Dönerstände (Hat mir Alex, eine Griechin, gesagt. Ich vermute mal, das hat ’nen Politischen Hintergrund…)

In diesem Sinne: Guten Morgen!

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