Die Bild erklärt den schwarzen Block

Ein mir bekannter Kameramann hat mich auf einen Bildartikel hingewiesen.


Er ist gefürchtet, radikal – und gewaltbereit!
Bei der Straßenschlacht von Rostock gingen von ihm die Krawalle aus – der „schwarze Block“. Rund 5000 Radikale marschierten am Sonnabend durch die Stadt. Wie sie ticken, wie sie vorgehen – BILD erklärt’s.

Danke Bild! Darauf haben wir gewartet. Das uns das Konservative Fachblatt der Wenig-Denker die Aktuelle Politische Lage erklärt. Mal schauen wie’s wird.

Demo-Taktik
Der „schwarze Block“ ist kein Verein. Er besteht aus Gruppen, die sich per Handy, SMS, Internet verabreden, häufig kennen sie sich von der Uni. Bei Demos bilden sie Ketten. Sie demonstrieren so Zusammenhalt, sind schwerer aus der Gruppe zu reißen. Zur Seite schotten sie sich mit Transparenten ab. Es gibt keine Anführer! Experte Simon Teune vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung: „Alle sind gleichberechtigt, daher auch der Begriff Autonome. Jeder entscheidet, wie weit er geht.“

„Häufig von der Uni“? Liebe Bild, ist das Etwa ein Bildungsneid?
Und das mit der Gleichberechtigung und fehlenden Organisation stößt dir gewaltig auf, oder? Gerade in Deutschland, wo wir uns ja so gut und gerne Organisieren, in Lobbys, Gewerkschaften und all den anderen Verbänden, die gerne Politiker wären, um an die Guten Pensionen zu kommen.

Mitglieder
Laut Verfassungsschutz gibt es 6000 gewaltbereite Linksextreme. Hinzu kommen „erlebnisorientierte Jugendliche“, die nur Mitlaufen, um Krawall zu machen.

Stimmt, und dem Verfassungsschutz sind sie ein Dorn im Auge, nicht so wie die Lieben Nazis, die zur Hälfte V-Leute vom Verfassungsschutz sind, und leicht zählbar den Parteien angehören.

Kleidung
Schwarze Kapuzenpullis, Sonnenbrillen, Baseball-Kappen. Vor dem Gesicht tragen sie Palästinensertücher. So schützen sie sich gegen Tränengas, können auf Polizeivideos nicht identifiziert werden.

Stimmt, bei Tränengas ist der modische Jugendliche von heute ja gerne im Bikini von H&M unterwegs, und Polizei-videos braucht keiner mehr, weil sich alle gegenseitig mit Handy filmen und denunzieren (= verpetzen, liebe Bildleser).

Symbole
Einheitliche Zeichen gibt es nicht. Beliebtes Symbol: ein großes A in einem Kreis – das Zeichen der Anarchisten.

Wenn es keine Symbole gibt, warum dann darüber schreiben? Liebe Bild: Man sollte nur die Sachen beschreiben, die man beschreiben kann.

Hass
Ihr Feind ist der Staat. Experte Teune: „Die Leute sind fast ausschließlich linksradikal. Sie wollen der Stachel im Fleisch der Gesellschaft sein.“

Endlich! Der Kollektive Bückling der Medien und Vordenker vor der korrupten und unfähigen Exekutive (Stichworte: Stasi 2.0, Spenden, „Große Koalition“) hat es geschafft, alle, aber auch wirklich ALLE im differenzierten Nichtstun einzufangen.

Waffen
Flaschen, Steine, Knüppel. In Rostock auch Messer und sogar giftige Chemikalien. Sie schützen sich mit Lederhandschuhen und Knieschonern.

Stimmt. Aufrechte Staatsbürger ertragen die Schläge der Polizei, lassen sich niederringen und von frustrierten Hauptschülern prügeln (Man ist ja als Demonstrant von der Uni,liebe Bild?)und sollten eigentlich gar nicht demonstrieren. Wer wird denn auch seine Unmut kundtun, wenn er in Deutschland lebt, dem besten aller Länder???

Sprache
Wasserwerfer nennen sie „Taufpanzer“, Schlagstöcke „Migränestäbchen“, Selbst gebaute Brandbomben heißen „Mollis“. Polizisten: „Bullenschweine“.

Jaaa, das ist hart. Im Gegensatz zu „Kollateralschäden“ „Befriedeten Zonen„, „Konferenzen von Volksvertretern mit Sicherheitszäunen„, „Reformpaketen“ und den allseits beliebten „Weichen Zielen„. Sapperlot, das sind Lacher!

Kodex
Niemand soll zurückbleiben. Greifen sich Polizisten einen aus der Gruppe, versucht der Rest, ihn zu befreien.

Seltsam, das das im Land, das angeblich so viel aus seiner Geschichte gelernt hat etwas schlechtes Sein soll…

Aber mal ehrlich: Wenn sich die Vertreter des Volkes (Allesamt angeblich Demokratisch gewählt.) nicht mal dazu herablassen, mit ein paar Demonstranten zu reden, wenn die Große Koalition in einer Zeit der EU-Ratspräsidentschaft NICHTS, aber WIRKLICH GARNICHTS macht, wenn Lobbys, Volks-Verkäufer, Populisten wie die Heuschrecken über das bereitwillig verdummenden Volk herfallen, ist man doch froh, wenn es noch ein paar gibt, die Brüllen. Zu brüllen gibt es genug, aber das ist den Herren Journalisten, den Lieben Predigern und den allseits geschätzten Stammtisch-Nazis vermutlich nicht niederschwellig genug. Und solange nicht Sachen wie Verantwortlichkeit, Integrität und Kompetenz in den Meinungsmachern und Regierenden Einzug halten, muß ich leider sagen:

Lieber Schwarzer Block: Ich halte Nichts, aber auch gleich Garnichts von Gewalt. Aber ich bin trotzdem froh, das es euch gibt.

4 Comments

  1. Pat 12. Juni 2007

    Tja, der gemeine Deutsche lässt seine Meinung am Stammtisch raus und da bleibt sie auch. Außerdem muss man ja aufpassen, dass einen die Nachbarn nicht sehen…

  2. Bela 12. Juni 2007

    Leider absolut zutreffend. Die Feigheit der Leut ist vermutlich in den Deutschen eingebaut. Auf die Frage, was denn eigentlich nun Deutsch sein bedeutet, muss man angesichts dieser Sache sagen: Deutsch sein ist Feig sein. Aber nicht mal das wird die Leute zum Nachdenken oder gar aktiv werden Provozieren, sondern nur ein „Ach, darüber rede ich mit DIR doch nicht“ oder ein leichtes Grollen.

    Ich glaube manchmal , das Kohl doch der Passende Kanzler war: Träge, Stur, Taktierend und „Bräsig“.

  3. Thomas 12. Juni 2007

    Die Frage ist doch wollen es die Nachbarn hören oder hört man bei so was lieber weg, um nicht entlich mal seine eigene Meinung zu sagen.

  4. Bela 12. Juni 2007

    Aha, Denkfehler!
    Wer keine eigene Meinung hat, sondern nur nachplappert wie ein Papagei, der hört immer weg, weil das sorgsam gebastelte Konservativ-bürgerliche Weltbild zerfällt halt recht schnell, wenn der Wind der intellektuellen Globalisierung ins Kartenhaus des treudeutschen Gedankenguts fährt.

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