LuderVZ

Neben den Problemen , die ich selber mit dem StudiVZ habe ( eine kurze Liste:

    1) Zuviele Deppen und Niemals-immatrikulierte.Wenn sich geistesschwache Bundeswehrler mit dem Horizont „World of Warcraft“ als Studenten Evangelischer Hochschulen ausgeben, ist das gleich ein doppeltes Feindbild.
    2) Brauchts das? – mir fehlt bis heute der Mehrwert am ganzen.
    3) Sind das wirklich alles Studenten? Leute, die sich „Lenin“ nennen (wo ist der Gag?) und der allgemeine Fickbörsen-Haudrauf-Proll-Grundton wird mir immer mehr zuwider. Ist das wirklich die zukünftige Funktions- und Führungselite?)

zählt Don Alphonso hier nochmal zusammen, warum man sich nach etwas Interessanterem als dem StudiVZ umschauen sollte, da es eben alles andere als ein lockerer Freund der Studenten ist, der irgendwo zwischen vertrauenswürdigem Ratgeber und erfahrenen Kuppler steht.

(…) Die ausländischen Töchter von StudiVZ in Polen, Italien, Spanien und Frankreich dümpeln vor sich hin. Wie auch SchülerVZ, das bislang auch von Testusern aus StudiVZ betrieben wird. Es gab mehreren Informanten zufolge ein paar Verstimmungen, weil Ehssan Dariani den Weg in die Schülerherzen allgemein als viel zu leicht dargestellt hatte. Ebenso wenig erfolgreich: Der Versuch, andere Player auf dem Schülermarkt gegeneinander auszuspielen. Nachdem es nichts wurde mit dem Blitzsieg auf den Schulhöfen unter Beteiligung der StudiVZ-Nutzer, und die Mitarbeiterbasis bröckelte, ist jetzt das Werbebanner für SchülerVZ bei StudiVZ verschwunden.

– Ãœbler jedoch als die Entwicklung neuer Geschäftsfelder soll es im Bereich Advertising gelaufen sein. Die Kooperation mit Universal hat gerade mal etwas mehr als 2000 Leute dazu gebracht, sich in dieser Gruppe zu registrieren – wirklich aktiv sind nur ein paar hundert. Passend dazu: Die neueste Aktion von Universal, eine britische Band zu bebloggen, wird nicht mehr über StudiVZ vergegeben. So hat man sich die Werbung mit Gruppen wohl doch nicht vorgestellt, und wie mit den paar Leuten Geld verdient werden sollte, wusste wohl auch Dariani nicht allzu genau. Milestone verfehlt, heisst das in der Geschäftssprache, die so laut ar, dass es sogar meine bayerische Klause erreichte. Abgang Dariani, berichten informierte Kreise. Der Umstand, dass entgegen den Hoffnungen die Sache mit den Videos und der Nazistileinladung immer noch in den Medien kursierte, hat den Abschied auch nicht wirklich erschwert. (Hier bitte das Geräusch eines Messers vorstellen, das eine Kerbe in die Seitenleiste der Blogbar schnitzt)

– Inzwischen kursieren in der StudiVZ-Umfeld zwei Szenarios. Szenario 1: Jetzt wird Geld verdient. Und zwar mit Märkten, auf denen sich Holtzbrinck auskennt. Zum einem – das konnte man heute schon betrachten – gibt es jetzt normale Werbebanner, die im Gegensatz zur alten Ãœberzeugung stehen, man könne Sponsoren für einzelne StudiVZ-Gruppen gewinnen. Momentan voll mit Angeboten von Holtzbrinck, aber diese Banner sollen zügig über den Werbevertrieb von Holtzbrinck verkauft werden. Expandiert werden soll dagegen nicht nur zur finanzschwachen Jugend, sondern im Gegenteil: Richtung Absolventen und Berufstätige. Name des Projekts: JobVZ, und dem Vernehmen nach sollen die Pläne bereits fertig sein. Die URL gehört seit November 2006 zu StudiVZ. Wenn Personalverzeichnis und StudiVZ erst mal zusammen eines der Hauptgeschäfte von Holtzbrinck, die Stellenanzeigen, bedienen sollen, würde ich allen dringenst raten, sich nochmal diesen Beitrag über die Folgen der persönlichen Daten bei StudiVZ durchzulesen. Dann ist berufliches Jobnetzwerk und haschischrauch-brustnippelleckendes StudiVZ ein und die gleiche Firma. Na? Klingelt´s?

– Und falls das alles nichts nützt, kommt mittelfristig Szenario 2 ins Spiel, das auch mehrfach als “Angedacht” vernommen wurde: Bekanntermassen hatte auch Springer Interesse an StudiVZ. Sollte sich StudiVZ als Werbeträger ähnlich schlecht vermarkten lassen wie das amerikanische Vorbild Facebook, die internationalen Töchter und SchülerVZ scheitern und JobVZ gegen die OpenBCs und LinkedIns dieser Welt nicht bestehen können, bleibt als kostensparende Massnahme immer noch der Teilverkauf an andere.

Ich sag´s mal so: Für Veteranen der New Economy nichts Besonderes. Man tauscht das Management aus, man setzt grauhaarige Geldeintreiber rein, man versucht einen Change of Business Model, und wenn alles nichts hilft, eine Exit Option für den Rückzug. Irgendwas kriegt man schon für den Laden. Sind ja genug Daten drin.

[via …Blogbar…]

4 Comments

  1. Dino 23. März 2007

    Sehr sehr geiler Beitrag, fasst das ganze schön zusammen und bringt es auf dem Punkt. Für mich vielleicht etwas zu negativ angehaucht, aber trotzdem ein spitzen Beitrag! Dankeschön!

  2. Bela 23. März 2007

    ach, negativ ist da noch leicht gesagt. die angeführten haken sind nur die sachen, von denen wir wissen!

  3. 7an 23. März 2007

    ohne alles gelesen zu haben: das vz ist praktisch. du findest fast jeden studenten drin und es schlicht DIE community. nirgendwo lassen sich interessante gruppen so leicht bilden und ausbauen – die spaßgruppen mal außen vor. zb gibt es ne gruppe für meinen unisport. is saupraktisch wegen terminen und absprachen. und ne mailinglist wäre langweilig und kam und käme nie zustande.

    ansonsten habe ich jetzt wirklich einige hochspannende literarische gruppen gefunden. das vz is halt wie das leben. ist alles vertreten. auch idioten gibts, aber wen kümmerts? die kritik ist teilweile berechtigt, aber das ding ist einfach zu groß. der drang nach vernetzung und der drang zu stöbern ist zu stark im menschen verwurzelt als das so eine krass erfolgreiche plattform wie das vz zu stoppen wäre.

  4. Bela 23. März 2007

    und im endeffekt eine plattform für datenschutzverletzungen.
    aber das interessiert ja keinen mehr.

Comments are Disabled