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Das Buffet der Befindlichkeiten

„Teile und Herrsche!“ – mit dieser Maxime schiebt sich die Geisteskrankheit der Religionen wieder gesamtgesellschaftlich in den akzeptablen Bereich – und jeder, der sich auf der Imaginäre-Freunde-Seite der Diskussion befindet, weicht mit allerlei Kniffen dem Grundlegenden Argument aus.

Der zentrale Knackpunkt der Antisäkularisation

Wer sich als Gläubiger einer Geschmacksrichtung bezeichnet – egal welcher – hat das Gesamte zu akzeptieren, oder muss eine eigenen Sekte gründen. Wer sich herauspickt, was ihm gefällt, degradiert den Fokus seiner Gläubigkeit zur Grabbelkiste, und negiert somit die zentrale Aussage jeder Religionsgemeinschaft: Dass der eigene Gott der Einzige wäre, allwissend und so weiter. Wer sich aussucht was er glaubt, glaubt offensichtlich nicht, und versteckt sich hinter dem Rockzipfel der Inquisitoren. (Hier akzeptieren wir die Geisteskrankheit eines Gottes aus argumentativen Zwecken).

„Jeder Interpretiert für sich selbst, Religion ist etwas Individuelles“.

Bullshit.

Die Behauptung ist so lächerlich, daß die Inkonsequenz des fehlenden Kirchenaustritts die Person in den Bereich des Bemitleidenswerten katapultiert. Wer sich ironiefrei zur Religion bekennt, oder gläubiger Christ bezeichnet, hat keine Gewebe zu mischen, kein Schwein und keine Muscheln zu essen, Schwule zu verprügeln und seine Frischvermählte bei mangelnder Jungfräulichkeit zu erschlagen. Wer dies als gläubiger Christ nicht tut – oder als Jude die Gesetze Moses nicht befolgt (die ja deckungs–, aber nicht interpretationsgleich sind), kann sich nicht als Gläubig bezeichnen, und muss also mit derselben Lächerlichkeit existieren, die heutzutage für “Glutenfreie Vegane” reserviert ist, welche Brezen (die Rindertalg enthalten) essen. Hipster, Mitläufer, Nachbeter, Denkbefreite. Denn unter dem Mantel der Glaubensgemeinschaft kann sich viel Tummeln, aber eins nicht: Die Überlegenheit des Glaubenden über das Geglaubte.

Der Priester steht in der Rangleiter nicht über Gott – hat aber trotzdem die “Autorität”, Teile des “Wort Gottes” einfach als irrelevant zu erklären. Mutig. Würde ich mich als Gläubiger nicht trauen. “Du bist zwar allmächtig und allwissend, aber ich weiß es doch noch ein bisserl besser als du.” Und in der Evolution des Glaubens sind die Weihnachten- und Ostern-Christen sogar noch eine Stufe weiter: Jeder interpretiert für sich selbst, gerne in Unkenntnis der Aussage. Denn das Wort Gottes ist ja nur ein Buffet, wo man die göttliche Weisheit, die einem nicht in die Bequemlichkeit passen, einfach liegen lässt wie den gedämpften Brokkoli, und sich dafür am alttestamentarischen Schinken die Plauze vollstopft. Hier nun drei Klassiker-Beispiele.

  • Du sollst nicht töten. (Markus 10:19, Lukas 18:20, Matthäus 19:18, 5. Mose 5.17, und bei den anderen Büchern Mose auch noch ein paar mal.) Das ist ja jetzt eigentlich so eindeutig, wie man es sich nur wünschen kann. Nichtsdestotrotz werden in christlichster Manier Waffen gesegnet, Kriege geführt. Der Folterer betet vor der Arbeit, der Vergewaltiger brüllt im Augenblick des Orgasmus „Oh Gott!“und der Henker bekreuzigt sich. Wer sich FÜR einen Krieg ausspricht, oder diesen akzeptiert, steht über Gott. Schön, dass die Argumente gegen eine Göttlichkeit immer von den Gottes-Fans kommen. Gut gemacht.
  • Verflucht sei, wer Bestechung annimmt. (5. Moses, 27.25). Das ist insbesondere prickelnd angesichts der Bestechungsfälle „Christlicher“ Parteien. Mal ehrlich: Wenn’s die Ironie noch nicht gäbe, damit wäre Sie erfunden.
  • Du sollst kein gemischtes Gewebe anziehen, das aus Wolle und Leinen zusammen gewoben ist. (5. Mose, Kapitel 22) Immer ein Klassiker. Und jeder soll mal in seinen Wandschrank schauen.

Aber hinter dieser Behauptung – man würde sich es ja „individuell zusammenstellen“, was einem passt, klafft nun einer der großen Sprünge der Semantik: inkonsequente Religiöse flüchten sich unter das Präservativ der Idiotie: Die Spiritualität.
Diese „Religiosität light“ verabschiedet sich nun ganz vom Glauben, und schweint sich durch das Buffet an Zitaten und Pragmatismen, übergießt alles mit einer Sauce halbverdauterer, ererbter Vorurteile und chemikalieninduzierter Visionen und brodelt vor sich hin. Der, dessen Religion eine „spirituelle Komponente hat“, kann sich gleich neben Astrologen, Homöopathen und Klimawandel-Leugner stellen. Und verdient ebenso wenig Respekt wie dogmatische Religionen.

Nachdem nun Gott von seinen Priestern zum drittklassigen Anwalt degradiert wurde, dessen Aussagen man so nicht stehen lassen kann, und dessen klarste Aussagen noch der Interpration bedürfen, kommen wir zum nächsten Punkt. Monotheismus.


  1. Gott und die Evolution der Religionsbürokratie – Eine Einführung
  2. Am Buffet der Befindlichkeiten – Spirtualität im postsäkularisierten Europa
  3. Der eine Gott. Monotheismus und Lächerlichkeit
  4. Religion, Moral und antisoziale Persönlichkeitsstörungen – Oder: Religion als Grundlage des Handelns.
  5. Aber die Fanatiker! – Die letze Ausflucht der Ratlosen
  6. Ein Halleluja auf den Wahnsinn