Tagebuch einer Erkältung

Dienstag
Das Übliche, nur mit Ämtergang und Regen. Leichte Schlaffheit wird im Cafe mit zwei extrastarken Kaffee (Typ: Espresso vom Hell, doppelt) bekämpft. Mir doch egal, wie die Pumpe hämmert – meine Kamera ist wieder da!

Mittwoch
Die Kamera ist wieder da! Bin zwar durch die Ausläufer einer Erkältung so geschwächt, dass ich nur mit dem kleinen Objektiv knipsen kann, aber egal!
Irving Penn ist übrigens tot (Leider!) – persönliche Wette abgeschlossen,  dass es die Bild bringt, um seine Aktaufnahme von Gisele Bündchen zu drucken.

Donnerstag
War da was?  Nicht mitbekommen.  Echt nicht, wenn mich jemand fragen würde,  was da war, ich könnt nix sagen,  der Tag ist aus dem Kalender gestrichen.

Freitag

Mittags: Der 11.00 Uhr Termin ist mal ganz elegant unter den Tisch gefallen – in meiner Wahrnehmung is Donnerstag.

Medikament in Wasser aufgelöst – das Wasser ist klar. Entweder was Homöopathisches oder die haben mich in der Apotheke verarscht.   Hm, und ja, da ist ne Doppelung 🙂   Dafür stelle ich fest, dass die „Vitamin-C-Heißgetränk“-Dinger die Tee-Patina ablösen. Magenwand ahoi, jetzt gehst ab.

Als Soulfood ’ne Walnussschnecke. Nüsse sind ja angeblich besonders resistent und trotzdem leicht verträglich – da sich gerade meine Magenwand aufgelöst hat (Ernsthaft: das nächste Großreinemachen ist mit dem Erkältungszeug! Da geht alles weg!). Abends: Nun gut – das Fieber verstärkt sich, Sachen verschwimmen, man diskutiert mit der Gosch in Argentinien über …
Joa, gute Frage.

Aber wenigstens ist die Unterbrechung noch im Gedächtnis. Und wir haben uns unterhalten.

Die Bildzeitung hat einen Artikel über Irving Penn – mit welchem Bild? Exaktemundo. Seufz.

Samstag
Zustand unverändert – und wenn man sich daran gewöhnt, fängt man natürlich an, Unfug zu treiben. Wusstet Ihr zum Beispiel, das eine ausreichende Portion Fieber UND Schnupfen die Geschmacksnerven so weit ausschalten (natürlich mit tatkräftiger Hilfe des Universalreiniger-Vitamin-C-Getränks) dass weder Djion-Senf (ein Teelöffel, gehäuft) noch Gorgonzola (Pur auf Knäckebrot) eine ernsthafte Reaktion der Geschmacksnerven hervorrufen. Und wenn jemand sagt: Bela, das geht schief! Ja, tut es.

Fun Fact: Geschmacksnerven sind Nerven auf der Zunge, die verschiednene Merkmale chemisch wahrnehmen. Aber: der Geschmack „Schärfe“ ist eigentlich kein Geschmack, sondern nur die Schmerzwahrnehmung der Zunge. Das bedeutet wiederum, auch ohne Geschmacksinn in diesem Sinne, steht dem Schmerz der Schärfe nichts entgegen.

Also, auch wenn man nichts mehr schmeckt, ist ein Viertel Teelöffel extrastarker Chilli-Sauce nach wie vor dumm, schmerzhaft und eine wunderbare Erinnerung, trotz Fieber ERST zu Denken, und DANN zu Handeln. Ist ja nicht so, als hätte man das mit der getrennten Geschmackswahrnehmung nicht gewusst. Dummerweise ist durch den resultierenden Schweißausbruch dann auch kurz die Nase frei, und die Senf-Chilli-Gorogonzola-Aspirin-Geschmacksmischung schlägt schön durch. Nicht lecker. Ich lege mich wieder hin.

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