Thomas Bernhard 13

Um vernünftig in den Narrenmonat zu kommen:

Ich hatte, im Unterschied von meinem Bruder, der immer an ihrer Autorität geglaubt hat, niemals an ihre Autorität geglaubt, mein ein Onkel Georg hatte mir die Lehrer schon sehr früh als das bezeichnet, was sie in Wahrheit tatsächlich sind, verkrampfte Duckmäuser, die an ihren Schülern nur ihre perversen Launen auslassen, die sie zuhause bei ihren Ehefrauen nicht auslassen können, die Lehrer sind von allen sogenannten Gebildeten die gefährlichsten und die niederträchtigsten, hat mir mein Onkel Georg schon früh eingeimpft, sie stehen, was ihre Gemeinheit betrifft, auf gleicher Stufe mit den Richtern, die alle auf einer sehr niedrigen Stufe der Gesellschaft stehen. Die Lehrer und die Richter sind die gemeinsten Knechte des Staates, sagte mein Onkel Georg, merke dir das, Er hat recht gehabt, ich habe diese Erfahrung nicht hunderte, sondern tausende Male gemacht, keinem Lehrer ist, wie keinem Richter, über den Weg zu trauen, sie vernichten bedenken - und hemmungslos, aus widerlicher Launenhaftigkeit und lauter Rachegelüsten über ihr unglückseliges verpfuschtes Leben, tagtäglich viele der ihnen ausgelieferten Existenzen und werden dafür auch noch bezahlt. Die Objektivität der Lehrer ist, wie die Objektivität der Richter. eine gemeine und heuchlerische Lüge, sagte mein Onkel Georg, er hatte Recht. Wenn wir uns mit einem Lehrer unterhalten, kommen wir bald darauf, daß er ein aus Unzufriedenheit mit sich selbst, menschenzerstörender, ja letzen Endes weltzerstörender Charakter ist, genauso, wenn wir uns mit einem Richter unterhalten.

Aus: Thomas Bernhard: Auslöschung. Ein Zerfall.

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