Wirtschaftskommentar, Versuch 1

Dieses Semester steht unter dem drohenden Schatten des Wirtschaftsjournalismus. Dazu sollte ich einen Kommentar schreiben, und ein erster Versuch ist das hier:

Kommentar

Ein Kommentar zur Wirtschaft hat so seine ganz eigenen Herausforderungen. Im Gegensatz zum Kulturkommentar gibt es keine Meinungen, sondern nur eine Mangel an Informationen – glaubt man den Wirtschaftsjournalisten, die ja auch nie alle Informationen haben. Es ist ja eine bekannte Tatsache der Physik, das, wer alle Einflüsse kennt, auch die Entwicklung einer Situation bis zu dem Zeitpunkt vorhersagen kann, in der ein nicht vorhergesehener Faktor mitspielt. Nun ist die Reihe der Faktoren, die einen Billiardtisch – von Vorfällen mit Betrunkenen, Herzinfarktgeplagten Tauben und der spaßigen Gravitationskonstante mal abgesehen – doch recht überschaubar. Aber auch das nur auf einen sehr begrenzten Zeitraum, weil sonst alle Wissenschaftler Billiardprofis wären.Doch womit sich die Wissenschaft schon abgefunden hat, dort steckt die Wirtschaft noch ganz tief im Mittelalter. Das Dogma der Gier, auf wenige Prinzipien – Angebot und Nachfrage, ein selbstregulierender Markt und ähnliches – eingeschrumpft, wird wird zum Weltweiten Spielplatz der Geiz. Im Traumtanz der vollständigen Reaktion, mit dem Bild des „Herrschers der Wallstreet“ auf dem Schreibtisch. Und Tausende von Bildschirmen, um ja auch jede Information möglichst schnell zu bekommen, und adäquat zu reagieren. Kaufen und Verkaufen, wenn man genug Information hat. Mit dem betriebenen Aufwand sollte man meinen, das alles an Information verfügbar wäre.

Zu wenig Information scheint ja ein juristisches Problem zu sein – da man Menschenverstand (die gesunde, nicht die fiskalische Variante) ja nicht einklagen kann. Deswegen ziehen auch 16.000 Kläger gegen die Telekom vor Gericht, Manfred Krug gibt den schlimmsten Fehler seines Lebens zu (Ich dachte, das wären die Gesangsversuche gewesen?) und die Republik gibt sich der Lächerlichkeit preis. Der Traum vom schnellen Geld, die Gier, die Glücksspielsüchtige antreibt ist nun wirklich nicht Sache der Justiz. Oder würde ein Zocker das Casinio verklagen?

Ja, in Amerika. Wo die Urban Legends sich um das schnelle Glück des Schmerzensgelds drehen. Am heißen Kaffee die Finger verbrannt? Verklagen! Gift inhaliert und jetzt am Sterben? Verklagen! Psychiater hat eine nicht vorhandene Psychose nicht therapiert? Verklagen! Beim Glücksspiel verloren? Verklagen! Oder sind dazu nicht mal die Amerikanischen Juristen schäbig genug?

Dort Brennen die Banken – im Ãœbertragenen Sinne – wegen einer geplatzen Immobilienblase. Das Beeinflusst den Rohstoffmarkt, weswegen die Leute, die nicht als Beschäftigungstherapie und Schwanzverlägerung mit Milliardenbeträgen spielen, bald wieder auf offener Straße verhungern, um von den Polizeikräften der finanzstarken Diktatur China auf die Seite getreten zu werden. Denn es ist ja Olympia, das Große Fest des Merchandising und heimlichen Doping, wo man mal wieder ganz legal national ist, und sich unterhalten lassen kann, um die eigenen Probleme nicht zu sehen.

Entschuldigen sie – ich mache zu viele Fässer auf, weil die Rohstoffspekulationene gerade einen Großteil der Werltbevölkerung weiter verarmen lassen. Nicht mitbekommen? Eine Information die ihnen entglitten ist? Wenn sie das nicht mitbekommen, wie sind sie dann auf die Idee gekommen, an der Börse mitzuspielen, dem größten und legalsten / illegalsten Casino der Welt? Ist ja auch nicht wichtig, Hauptsache, spekulieren ist Risikofrei, und Manfred Krug hat sich entschuldigt. Auch das Grundgesetze geändert werden, weil Politiker den Begriff des Budgets nur auf die Kantine anwenden. Ist ja unwichtig.

So ist Wirtschaft halt.

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