wrong end of the food chain

Racial Profiling

Gerade ein Zeuge der klassischen Ost-Neurose der Polizei geworden. Die Situation: Der Zug hat 16 Minuten aufenthalt, und da die Deutsche Bahn nur die Nichtraucher repräsentiert und sich weigert, Raucherabteile oder Rauchgelegenheiten zur Verfügung zu stellen, stehen halt ca. 15 Raucher in dieser Pause vor dem Zug und gehen gemeinsam ihrer Sucht nach – schön in einem Grüppchen, Nikotin sozialisiert nun mal.
Zwei Beamte der Polizei zauchen auf – und gehen zielstrebig auf die Gruppe zu. Anstatt zu grüßen, wird eine Person offischtlich arabischer Abstammung sofort kontrolliert – die anderen werden nicht mal angeschaut, gegrüßt wird sowieso nicht (man ist ja immerhin im Osten…) und die Personalien des Arabers werden aufgenommen und an die Zentrale durchgegeben.
Natürlich kommt nichts zurück (bei dem Bildungsstand unserer Schutztruppen würde der Name „Usama Bin Laden“ nichts auslösen…) und der Reisepass wird der Person wortlos zurückgegeben.
Was stimmt nicht? Genau, 15 Personen am Bahnsteig, einer wird herausgegriffen und wie der letzte Dreck behandelt – nicht mal die Basishöflichkeit – eine Begrüßung, eine Verabschiedung, eine Entschulidgung wegen der Umstände – nichts.
Darauf angesprochen antwortet der Araber ( auf Anfrage: Syrier) das das noch eine der netteren Begegnungen war.

Schönes neues Deutschland…

3 Comments

  1. Hoffi 30. Dezember 2006

    Zitat: „Zwei Beamte der Polizei tauchen auf – und gehen zielstrebig auf die Gruppe zu. Anstatt zu grüßen, wird eine Person offensichtlich arabischer Abstammung sofort kontrolliert – die anderen werden nicht mal angeschaut, gegrüßt wird sowieso nicht (man ist ja immerhin im Osten…)“

    Ich bezweifle ja, dass das was damit zu tun hat, dass sich das ganze in Ostdeutschland zugetragen hat… Mir ist nä(h)mlich ähnliches auch schon in der Nähe von Frankfurt passsiert. Und in Stuttgart. Und Hamburg… Aber gute alte Ossi-Vorurteile bedienen, klappt ja fast immer… 😉 Oder hab ich nur grade nen Verständnis-Fehler?

  2. Bela 30. Dezember 2006

    Leider nein – ich wünschte es wären Vorurteile, aber dieses Verhalten der „Ordnungshüter“ ist mir hier immer bewußter geworden – die Mangelnde Hilfsbereitschaft wird den Leuten hier schnell antrainiert, und weiter tut sich leider nix.

    Da ich selbst nicht an die Vorurteile gegleaubt habe, habe ich ein Jahr hier verbacht (ernsthaft) und es immer wieder auf die harte Tour gelernt, das es hier halt anders zugeht.

    Zum Beispiel liegt die politische „Mitte“ einfach sehr weit rechts, die Obrigkeitsgläubigkeit und die damit verbunden Arroganz und das Igonrieren des Hilsauftrags der Poliziei geht damit leider einher.

    Natürlich gibt es Ausnahmen (P.) aber leider nur sehr wenige, und die Stimmung in Gruppen ist meiner Erfahrung nach genauso…

    Eines verstehe ich an deinem Kommentar nciht: Hamburg? Das ist eine Großstadt, kein Kaff im Nirgendwo… und es geht mir nicht darum, Vorurteile zu bedienen, sondern zu berichten, was ich mit eigenen Augen gesehen habe – niemand sonst wurde angesprochen, in dieser Gruppe. Niemand sonst wurde kontrolliert. Die Gruppe war jetzt kein enger Pulk, sonder n eine Lose Ansammlung von Leuten, die alle so ungefähr eine Armlänge voneinander entfernt waren. Niemand scheint sich bei einem derartigen Verhalten etwas zu denken.

    Und Vorurteile hin, Populismus her: Manche Sachen belegen sich selbst – wenn wir an die Landtagswahl in Sachsen denken, das kommt nicht von irgendwo….

  3. Hoffi 1. Januar 2007

    So, ich als alter eingeborener Ossi muss jetzt hier nochmal ne Lanze für „meinen“ Teil Deutschlands brechen: Es ist keinesfalls so, dass in Leipzig, Zwickau, Chemnitz („Karl Marx Stadt“) oder Dresden nur glatzköpfige, rechtsgerichtete Schwachköpfe rumlaufen (Ich unterstelle natürlich nicht, dass das die zentrale Aussage deines Eintrags war!).
    Stattdessen gibt es ein generelles Problem der „Ordnungshüter“ mit Ausländern (Andersfarbigen, Schwarzen oder wie auch immer das politisch korrekt heißen mag…) Das ist jedoch aus meiner Sicht keinesfalls nur auf den Osten unseres Landes beschränkt. Denn eine ähnliche Situation, wie die oben beschriebene, ist mir in Hamburg und Stuttgart ebenfalls schon passiert. Und garantiert kein Einzelfall. Ich würde daher eher von einer generellen, schleichenden Krankheit sprechen, die sich in GANZ Deutschland ausbreitet. Dass es „im Osten“ anders zugeht, ist allerdings trotzdem richtig. 16 Jahre politischer Einheit reichen eben einfach nicht aus, um die Fehler einer jahrzehntelangen Diktatur auszumerzen. Wäre ja auch noch schöner… 😉
    Denn natürlich sind H4-Empfänger und arbeitslose Alkoholiker (mhh, lecker Bier…) eher dazu bereit, die Schuld für ihre Misere bei den Fremden zu suchen (Xenophobie lässt grüßen…). Das liegt aber definitiv nicht daran, dass der Osten generell ausländerfeindlicher ist, als der Westen. Sondern vielmehr an mangelnder Bildung, Perspektive, Zukunftshoffnung etc. Daraus resultiert auch die subtile Ausländerfeindlichkeit, die sich aber, wie schon erwähnt, leider nicht nur auf den Osten beschränkt, sondern in GANZ Deutschland immer populärer wird. Auch in bürgerlichen und „Prekariats“-fernen Schichten. Daher bezweifle ich stark, dass die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und die angeblich höhere Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland viel miteinander zu tun haben. 9,2 Prozent für die NPD sind für mich eher ein Ausdruck steigender Unzufriedenheit mit dem politischen System an sich, auch wenn ich den Begriff „Protestwähler“ nicht mehr hören kann…

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