Monthly Archives: Januar 2007

Gerechtigkeit



“Recht ist die Wirklichkeit, die den Sinn hat, der Gerechtigkeit zu dienen”

- Gustav Radbruch

Dieses Zitat habe ich gerade in Bittner’s „Beruf Terrorist“ gefunden, und irgendwas hat im Hirn „Klick“ gemascht. Nicht weil ich im Seminar „Theorie der Gerechtigkeit bei Prof. Kessler letztes Semester nicht aufgepasst hätte, sondern weil es mal wieder den Drang ausgelöst hat, im Rauschen des Chaos wenigstens mal wieder die Stimme zu erheben.

Und somit stelle ich mich nun mit meiner Seifenkiste vor den Kirchturm, auf den Marktplatz, in die Fußgängerzone und Predige meine Sicht der Dinge – auch wenn ich als im Jahre 80 Geborener sehr gut weiß, das es nichts bringt. Warum? Weil ich mir einem Kanzler aufgewachsen bin (Birne) der Allen vorgemacht hat, das sich Verbrechen lohnt. Das es keine Gerechtigkeit gibt, sondern nur geschickt verkaufe Machtansprüche.

Was ich immer geglaubt habe – und immer noch glaube – der Kanon aus Werten, die sich, in meinem Fall, direkt aus dem Erwachsen werden der 68er ableite. Diese Mischung aus Selbstbestimmung, Freiheit, Verantwortung für andere, einen Staat – den man zwar piesacken muss und der viele Schwächen hat, aber im Grunde sinnvoll und gut ist – und seine Rechtsstaatlichkeit.

Und daraus erwache chi langsam. Nicht nur durch mein Studium (auch wenn Prof. Seeger versucht, die Flamme des Idealismus zu entzünden) , sondern durch die Welt um mich herum, und die Nadelstiche, die sie mir verabreicht. Und mich überlegen lässt, ob man nicht doch erst im Jahre 1984 ist.

Wie stark die Parallelen sind, will ich nun am Beispiel der letzen Woche zeigen. Eine Diskussion mit der Gosch, ein Blogeintrag, eine Schilderung des Englandurlaubs vom lügenden Bayern – mehr braucht es eigentlich nicht, um diese Kritik zu führen.

Der Blogeintrag ist der von Jochen Bittner – und der Wahnsinn, das es seit Jahren so war, und weiter sein wird, das eine Regierung einen Krieg seit Jahren führt, der auf einer Lüge basiert, das das entstehen der Lüge nur auf den Hinteren Bänken hinter vorgehaltener Hand erzählt wird – und das unsere Politiker, von denen ich (früher) geglaubt habe, das wenigstens sie ein Leitbild sein könnten, die das akzeptieren, ohne Kritik, ohne Aufschrei. Das wir in einer Zeit leben, in der es ein Lichtblick ist, wenn eine sinnlose Anklage gegen die CIA-Verbrecher erlassen wird.

Und nicht einmal das – niemand berichtet darüber. Das die Medien ihre Ecken und Kanten, ihre Stimme und ihre Macht hinter Leserzahlen und Zuschauer-prostitution, hinter Boulvardeskem Tittenwackeln prekariatsgerechter Statussymbole versteckt – das ist, in seiner Gesamtheit, ein Brocken, an dem ich schwer zu schlucken habe. Da in vollem Wissen gelogen wird, und jeder die Lüge kennt, und niemand sagt: So nicht.

Und wir reden hier nicht von „Osterhase und Weihnachtsmann“ , sondern von „Foltern ist OK, solange wir es anders nennen“ und „Wir sind zu faul, Fehler zu beheben, von denen wir wissen, das sie passieren“ – sprich, das Paket der Gesundheitsreform, an dem sich keiner die Finger schmutzig machen will. Vermutlich weil es keiner versteht.

Und hier komme ich zu einem anderen Punkt: den Gesundheitsnazis. da hatte ich mich HIER ja schon mal geäußert.
Aber das es in einer zeit, die mit der Akzeptanz der Widerbewaffnungsdebatte, mit der Diskussion in Talkrunden, mit Elephantenrunden und „The Revolution will be televised“ eine Diskussion gibt, wo nur eine Seite gehört wird, und die andere mit dem Stigma der Wertlosigkeit und Unmündigkeit versehen wird -das macht mich doch sehr nachdenklich.

Was auch kein angenehmer Gedanke war, ist der Vorgang der Entstehung dieses Eintrags.
Ich habe Ãœberlegt, ob ich das so schreiben kann, einen Undifferenzierten Rundumschlag in Richtungen, die mir nicht behagen.

Und dann ist mir aufgefallen, das ich mich nur zu den Grundwerten unserer Gesellschaft bekenne. Und mir das Überlegen muss. Was ist das für eine Perspektive?

Ud das Zitat vom Anfang habe ich übrigens Hier gefunden, und wie so oft der Aufruf: lest mehr Bittner!



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Eins der vorläufig letzten Bilder aus Dresden. Hat sich ja erledigt. Das gesamte Set ist HIER

Was auf die Augen (16)

Um dem geschätzen [tag]Leser[/tag] ( = DIR ) ausnahmsweise mal eine Mehrwert (Haha! Fachbegriff!) zu bieten, hier ein Desktop-hintergrundbild. Zum Verwenden: Anklicken, und im neuen Fenster erst auf „Original“ und dann mit Rechtsklick aufs Bild und „..als Hintergrundbild verwenden“

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In der Größe 1280 x 1024 Pixel

Gesundheits-Faschisten

Schüler tragen Anstecker mit schwarzer Lunge

BrüsselL/OSTENDE (dpa). Rauchende Schüler im belgischen Ostende müssen künftig einen Anstecker mit zwei schwarzen Raucherlungen tragen. „So dürfen meine Lungen aussehen“, lautet der Text auf dem runden Button, den eine Schule in der Hafenstadt verteilt. Das Vesaliusinstitut, das vor allem Krankenpfleger ausgebildet, will die Schüler so vom Rauchen abhalten. Im kommenden Schuljahr soll das Qualmen komplett verboten werden. „Für die Außenwelt ist der Button vielleicht stigmatisierend, aber er ist nicht als Strafe gedacht“, sagte Direktorin Claudine Lesaffre.
Vielleicht stigmatisierend?

Auch wenn manche sich scheuen, das Wort auszusprechen, ist es mir mittlerweile egal:

Wollen wir anfangen, etwas gegen die Gesundheitsnazis anzufangen? 
Oder verhallen die Warnung immer noch gerne?

Als die Nazis die Raucher holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Raucher.
Als sie die Fleischesser einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Fleischesser.
Als sie die Weintinker holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Weininker.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Und jetzt kann ja jeder gerne „Melodrama“ und „Übertreibung“ brüllen. Mir egal, ich geh eine Rauchen…

Der Mann hat es raus!

Vom Stopfen der Gosch

Sie haben die Gosch gestopft.
Randvoll.

Womit?
HIER LESEN

Warum?
Weil ich schauen wollte ob es geht.

Wie?
Essen, Wein.

Was noch?
Ofenwarme Cookies, Allgäuer Käse, Salat, Olivenfleisch, die Richtung.

Sonst noch was?
Geht niemanden was an.

War noch wer dabei?
Ja – Zwei Ziegen, ein Elephant,ein Kleinwüchsiger in Ganzkörperlatex, ein rasierter Truthahn, Drei Tanzmädchen, ein Jongleur, und ein Orchester. Selten Doofe Frage!!!!

Was war noch auffällig?
Viel Musik gehört.

Und jetzt?
Gute Frage. Wer in diesen Antworten Zweideutigkeiten findet, darf sie behalten…

Thomas Bernhard 15

Meine Übertreibungskunst habe ich so weit geschult, daß ich mich ohne weiters den größten Übertreibungskünstler, der mir bekannt ist, nennen kann. Ich kenne keinen Anderen, Kein Mensch hat seine Übertreibungskunst jemals so auf die Spitze getrieben habe ich zu Gambetti gesagt und darauf, daß ich , wenn man mich kurzerhand einmal fragen wollte, was ich denn eigentlich und insgeheim sei, doch darauf nur antworten könne, der größte Übertreibungskünstler, der mir bekannt ist. Darauf ist Gambetti wieder in sein Gambettilachen ausgebrochen und hat mich mit seinem Gambettilachen angesteckt, so lachten wir beide auf dem Pincio an diesem Nachmittag, wie wir noch niemals vorher gelacht hatten. Aber auch dieser Satz ist natürlich wieder eine Übertreibung, denke ich jetzt, während ich ihn aufschreibe, und Kennzeichen meiner Übertreibungskunst, Damals habe ich zu Gambetti gesagt, daß doie Kunst der Übertreibung eine Kunst der Überbrückung sei, der Existenzüberbrückung in meinem Sinn habe ich zu Gambetti gesagt. Durch Übertreibung, schließlich durch Übertreibungskunst, die Existenz auszuhalten, habe ich zu Gambetti gesagt, sie zu ermöglichen, Je älter ich werde desto mehr flüchte ich in meine Übertreibungskunst, habe ich zu Gambetti gesagt.
(…)
Das Geheimnis des großen Kunstwerks ist die Ãœbertreibung, habe ich zu Gambetti gesagt, ist die Ãœbertreibung, das Geheimnis des großen Philosophierens ist es auch, die Ãœbertreibungskunst ist überhaupt das Geistesgehemnis, diesen zweifellos absurden Gedanken der sich bei näherer Betrachtung zweifellos als der einzige richtige herausstellen hatte müssen, gab ich dann wieder auf…

Aus: Thomas Bernhard: Auslöschung. Ein Zerfall