Monthly Archives: Mai 2010

No words necessary

Stephen Fry: What I wish I’d known when I was 18 from Peter Samuelson on Vimeo.

Peter Samuelson, interviewer. 29 April 2010.

Even though it is seldom,
there are things where I have nothing to add.
Just this:
Well Said, Master Fry.

I want to say “Home Sweet Home” because of the Bacpon drapes, but somehow I darkly suspect that THIS BUILDUNG IS  NOT BUILD TO CODE!!!! Otherwise its fine – I mean, Bacon drapes!!! Woaaa!!! via s3.amazonaws.com

Mini-Gallerien-Update

Sooo, mal wieder im Hintergrund an den Gallerien gespielt – die Einbindung über Flickr ist ja doch recht „fest“ und dann sollte man das auch sehen, oder findet ihr nicht?
Auch egal, da ich eh schon am Tippen war – Kapitel „Uno“ nähert sich der Vollendung – habe ich dann gleich noch gebastelt / angepasst / reingeschraubt. Wenn’s schon kaum neue Bilder gibt – obwohl ich heute ca. 400 geschossen habe – dann sollen die wenigstens vernünftig präsentiert werden.

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Thomas Bernhard 14

Muss mal wieder sein:

Von Spadolini war ich dann merkwürdigerweise auf Goethe gekommen: auf den Großbürger Goethe, den sich die Deutschen zum Dichterfürsten zugeschnitten und zugeschneidert haben, habe ich das letzte mal zu Gambetti gesagt, den Insekten- und Aphorismensammler mit seinem philosophischen Vogerlsalat, so ich zu Gambetti, der natürlich das Wort Vogerlsalat nicht verstand, so hatte ich es ihm erklärt.

Auf Goethe, den philosophischen Kleinbürger, auf Goethe, den Lebensopportunisten, von welchem Maria immer gesagt hat, dass er die Welt nicht auf den Kopf gestellt, sondern den Kopf in den deutschen Schrebergarten gesteckt hat. Auf Goethe, den Gesteinsnummerierer, den Sterndeuter, den philosophischen Daumenlutscher der Deutschen, der ihre Seelenmarmelade abgefüllt hat in ihre Haushaltsgläser für alle Fälle und alle Zwecke. Auf Goethe, der den Deutschen die Binsenwahrheiten gebündelt und als allerhöchstes Gut durch Cotta hat verkaufen und durch die Oberlehrer in die Ohren hat schmieren lassen, bis zur endgültigen Verstopfung. Auf Goethe, der den deutschen Geist mehr oder weniger für Jahrhunderte verraten und auf das Mittelmaß der Deutschen gestutzt hat mit jener Emsigkeit, die ich Gambetti gegenüber als die goethische Emsigkeit bezeichnet habe. Auf Goethe, den philosophischen Rattenfanger, wie ich zu Gambetti das letzte Mal gesagt habe.

Goethe sei der Gebrauchsdeutsche, habe ich zu Gambetti gesagt, sie, die Deutschen, nehmen Goethe ein wie eine Medizin und Glauben an ihre Wirkung, an ihre Heilkraft; Goethe ist im Grunde nichts anderes, als der Heilpraktiker der der Deutschen, hatte ich zu Gambetti gesagt, der erste deutsche Geisteshomöopath. Sie nehmen sozusagen Goethe ein und sind gesund. Das ganze deutsche Volk nimmt Goethe ein und fühlt sich gesund. Aber Goethe, habe ich zu Gambetti gesagt, ist ein Scharlatan, wie die Heilpraktiker Scharlatane sind und die Goethesche Dichtung und Philosophie ist die größte Scharlatanerie der Deutschen.

Seinen sie vorsichtig, Gambetti habe ich zu diesem gesagt, seien sie vor Goethe auf der Hut. Allen verdirbt er den Magen, nur den Deutschen nicht, sie glauben an Goethe wie an ein Weltwunder. Dabei ist diese Weltwunder nur ein philiströser Schrebergärtner. Gambetti hatte laut aufgelacht, als ich ihm erklärte, was ein Schrebergarten ist. Das hatte er nicht gewusst. Insgesamt, habe ich zu Gambetti gesagt ist das Goethesche Werk ein philiströser philosophischer Schrebergarten.

paula_4_2007_01_034In nichts hat Goethe das Höchste geleistet, sagte ich, in allem nur das Mittelmaß zustande gebracht, er ist nicht der größte Lyriker, er ist nicht der größte Prosaschreiber, habe ich zu Gambetti gesagt, und seine Theaterstücke sind gegen die Stücke Shakespeares beispielsweise so gegeneinander zu stellen, wie ein hochgewachsener Schweizer Sennenhund gegen eine verkümmerten Frankfurter Vorstadtdackel. Faust, habe ich zu Gambetti gesagt, was für ein Größenwahnsinn! Der total missglückte Versuch eines schreibenden größenwahnsinnigen, hatte ich zu Gambetti gesagt, dem die ganze Welt in den Frankfurter Kopf gestiegen ist, Goethe, der größenwahnsinnige Frankfurter und Weimarianer, der größenwahnsinnige Großbürger auf dem Frauenplan. Goethe, der Kopfverdreher der Deutschen, der sie jetzt schon einhundertfünfzig Jahre auf dem Gewissen hat und zum Narren hält. Goethe ist der Totengräber des Deutschen Geistes, habe ich zu Gambetti gesagt. Wenn wir ihn Voltaire, Descartes, Pascal, entgegensetzen zum Beispiel, habe ich zu Gambetti gesagt, Kant, aber natürlich auch Shakespeare, ist Goethe erschreckend klein. Dichterfürst, was für ein lächerlicher, dazu aber grunddeutscher Begriff, hatte ich zu Gambetti gesagt. Hölderlin ist der große Lyriker, hatte ich zu Gambetti gesagt, Musil ist der große Prosaschreiber und Kleist ist der große Dramatiker. Goethe ist es dreimal nicht.

Thomas Bernhard: Auslöschung. Ein Zerfall.

S. 575

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